Carbon Copies: wirklich letzte Briefe

14.11.2008 von: Klaudia Pirc-Pätzoldt
Schlagwörter: Letzte Worte Kurios Bestattung

Wußten Sie, dass man aus Ihnen nach der Einäscherung 240 Bleistifte herstellen kann? Die meisten werden wohl kaum darüber sinniert haben. Aber ja, die Produktdesignerin Nadine Jarvis macht Bleistifte aus menschlichen Kohlenstoffresten zum wesentlichen Element eines Bestattungskonzepts.

Die mit dem Namen des Verstorbenen versehenen Bleistifte können einzeln aus einer Holzbox entnommen werden. Beim Schreiben nutzt sich der Bleistift natürlich ab und man kann ihn an der Box wieder anspitzen. Die Holz und Kohlenstoffreste verbleiben in der Holzbox, die so jetzt als Urne dient.

Das hat schon was. Ich frage mich aber, was schreibe ich denn mit diesen Bleistift? Ich könnte mir folgendes vorstellen: Die Hinterbliebenen schreiben Briefe an den Verstorbenen. Man könnte diese Briefe an einem Ort, z.B. in einem Album aufbewahren. Letzte Briefe halt.

Mein Kollege schlug vor, Briefe oder Postkarten in die ganze Welt zu schicken. Auch ne schöne Idee. Den Empfängern würde ich dann aber lieber nicht sagen, dass die Zeilen mit den Kohlenstoffresten eines Verstorbenen geschrieben wurden.

Linktipp von Florian Fiegel via neuerdings.com

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Kommentare:

Klaudia schreibt am 15.01.2009 10:38:

Bei "Carbon Copies" geht es bisher nur um ein Konzept. soweit ich weiß ist es noch nicht in die Realität umgesetzt worden und ich kann mir durchaus vorstellen, dass so manch einer mit dieser Bestattungsform nicht klar käme.

Ich finde es interessant, dass Leute sich Gedanken über neuartige Bestattungsformen machen. Ob sie praktikabel sind und ob man nicht vielleicht besser die vorhandene Bestattungskultur entkrampfen sollte, steht auf einem anderen Blatt.

Uschi schreibt am 15.01.2009 10:11:

Christian ich kann dir da nur zustimmen. Ich habe davon noch nichts gehört. Als ich es gelesen habe, klang es anfangs schon sehr makaber, aber wenn man mal darüber genauer nachdenkt, kann es einem sicherlich helfen. Ich hätte da noch eine Frage. Braucht man für so was nicht eine Sondergenehmigung? Ich weiß ja nicht, aber es gibt doch gewissen Vorschriften was mit den Toten passiert. Muss man da denn was beachten oder geht das auch ohne irgendwelche Genehmigungen? Wäre es sehr indiskret wenn ich fragen würde, was die Stifte kosten.

Lisa schreibt am 06.01.2009 13:30:

Mir hat es alle Haare aufgestellt, als ich diesen Blog gelesen habe. Wie kann man mit so einem Bleistift schreiben? Ich könnte das nicht. Ich glaube die Trauer wäre viel zu groß um so einen Stift in die Hand nehmen zu können.

Dann kämen noch die Erinnerungen zurück. Die sicherlich sehr schmerzhaft sind. Und wenn ich dann daran denke, dass ich einen Stift halte, der früher einmal ein Mensch war. Nein. Das könnte ich wirklich nicht. Ich finde, man sollte die Toten nicht so behandeln.

Christian schreibt am 07.12.2008 22:37:

Eine interessante Idee ist es allemal, die Briefe im Album aufzubewahren und an den Toten direkt zu schreiben, finde ich aber schöner. Das ist persönlicher und hilft sicher bei der Trauerarbeit, also mit dem Schmerz über den Verlust hinweg zu kommen.

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